Auszüge aus: LEITLINIEN FÜR DAS EHRENAMT der katholischen Kirche im Bistum Münster

Vorwort


Dieser Grundlagentext, den die Ehrenamts­kommission des Bistums Münster zur Weiter­entwicklung einer christlichen Sicht des »Ehrenamts« im Kontext beschleunigten sozialen Wandels erarbeitet hat, geht auf Beschlüsse des Münsteraner Diözesanforums zurück, die damit programmatisch weiter entfaltet werden.

 

Damit sind zwei Zielgruppen angesprochen. Hauptamtlich in der Kirche Tätigen soll ein Orientierungsrahmen für einen förderlichen Umgang mit ehrenamtlichen Mitarbeitern an die Hand gegeben werden, damit das Zusammenspiel mit Laien nicht unnötige Reibungsverluste erfährt, sondern im gemeinsamen Dienst fruchtbar, werden kann.

 

Und es geht darum, die Erwartungen der Ehrenamtlichen an die Kirche zur Sprache zu bringen, sowie deren legitime Erwartungen an die Ehrenamtlichen so aufzunehmen, dass daraus auf beiden Seiten die Voraussetzun­gen für eine gute Zusammenarbeit entsteht.

 

Kirche lebt und gedeiht durch freiwillig eingebrachtes Handeln. Das ehrenamtliche Engagement verdient als Ausdruck des christlichen Glaubens unsere Anerkennung. Es soll in seiner unersetzlichen Vielfalt Wertschätzung und Ermutigung erfahren.

 

 

Zusammenfassung in Thesenform

  • Ehrenamtliche Tätigkeit ist eine Lebensäußerung christlicher Gemeinden im diakonischen Dienst, im Zeugnis des Glaubens und durch die Gestaltung der Liturgie.
  • Das Ehrenamt in der Kirche ist Ausdruck öffentlicher Verantwortung. Es sollte als solches Wertschätzung, Ermutigung und Unterstützung erfahren. Durch Fort- und Weiterbildung sowie geistliche Begleitung wird es möglich, die Verantwortung zu übernehmen.
  • Ehrenamtliche sollen freiwillig eine Aufgabe übernehmen und nicht in ein Amt gedrängt oder überfordert werden. Sie benötigen eine ernsthafte Vorbereitung, eine solide Einführung und kompetente Ansprechpersonen sowie die Klärung von an sie gestellten Erwartungen.
  • Ehrenamtliche Arbeit gewinnt an Attraktivität, wenn auch der Autonomie der freiwillig Tätigen Rechnung getragen wird, d.h. z.B. eigene Ideen umgesetzt werden können und Mitspracherecht sowie Mitverantwortung in Planung und Leitung gewährleistet wird. Unter dieser Perspektive sind Hauptamtliche weiter zu bilden.
  • Hauptamt und Ehrenamt, Kleriker und Laien sind zum gemeinsamen Dienst in der Kraft des Evangeliums aufgerufen. Es bleibt nicht aus, dass bedingt durch den unter­schiedlichen Status und die differierende Zuweisung von Aufgaben Konflikte auftreten. Damit der Blick auf den gemeinsamen Dienst nicht verdrängt wird, verlangt das Miteinander von haupt- und ehrenamtlich Tätigen eine Kultur, in der auch Konflikte partnerschaftlich ausgetragen und gelöst werden können.
  • Ehrenamtliche Arbeit hat dann Zukunft, wenn Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, sich entsprechend der eigenen Lebenssituation und den zur Verfügung stehenden zeitlichen und anderen Ressourcen einzubringen. Dazu ist es förderlich, dass die Arbeit unmittelbar erbracht, Gemeinschaft erlebt, Freude erfahren und persönliche und soziale Kompetenz erweitert werden kann sowie Dank und Anerkennung ausgesprochen werden.
  • Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, neben der Begleitung und der Weiterent­wicklung des traditionellen kirchlichen Ehrenamtes sich mit neuen Inhalten und Formen des Engagements auseinander zusetzen, wie es in zeitlich befristeter Mitarbeit in Projekten oder der Vermittlung von freiwilliger Arbeit durch Freiwilligenagenturen geschieht.
  • In den Zentralrendanturen und im Bischöflichen Generalvikariat soll es Beauftragte geben, die in Angelegenheiten des Ehrenamtes, besonders in Fragen des Auslagen­ersatzes und Versicherungsschutzes, beraten und unterstützen. Entstehende Kosten müssen den Ehrenamtlichen selbstverständlich und unbürokratisch erstattet werden.
  • Die ehrenamtliche Tätigkeit soll dokumentiert werden. Erworbene Qualifikationen sollen zertifiziert werden, dass sie auch als Nachweis im Erwerbsleben geeignet sind.

(vom Diözesanrat am 09. Sept. 2003 verabschiedet)

 

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